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Hallo liebe Tierfreunde!

Ich möchte Euch ein wenig von meiner zweiten Reise nach Ungarn berichten.

 

Tierschutz bedeutet ja, kranke, herrenlose, verletzte, geschlagene und fast verhungerte Tiere einzusammeln, sie zu versorgen und im günstigsten Fall an liebevolle Menschen zu vermitteln……

Nur – leider ist die Realität manches Mal wesentlich härter. Nicht alle Tiere überleben dieses Drama, sterben trotz intensivster tierärztlicher und menschlicher Bemühungen oder aber sterben qualvoll alleine irgendwo draußen in einem Wald oder sonst wo.

Es gibt natürlich auch viele liebe Menschen in Ungarn, wo – wie bei uns auch – die Hunde und Katzen ein Familienmitglied sind. Menschen, die einen Straßenhund beispielsweise aufgenommen haben und für ihn sorgen. Nur sind doch einige Leute dort sehr arm. Gerade in den ländlichen Regionen.

Wir hier in Deutschland können uns das gar nicht vorstellen wenn man nicht mal für eine Zeit lang (wie ich, 2 Wochen) vor Ort war.

An eine Kastration ist gar nicht zu denken, haben manche Menschen doch kaum genug Geld um ausreichend Lebensmittel zur Verfügung zu haben. Und trotzdem kümmern sie sich um ihre Tiere so gut es geht.

 

Was kann man also tun? Die Konsequenz ist ja dann logischerweise zu verhindern dass überhaupt so viele arme Welpen auf die Welt kommen und schlimme Schicksale erleiden müssen, Welpen von denen ein Großteil schon von vornherein gar keine Chance haben, groß zu werden. Wofür auch….. sich als Straßenhund in Ungarn durchschlagen zu müssen ist sehr, sehr hart……

 

Da kam unser Tierschutzverein „HAND UND PFOTE" auf die Idee, eine Kastraktionsaktion ins Leben zu rufen. Das bedeutet:

Menschen, die Tiere (Hunde und auch Katzen) haben, zu kontaktieren, dann einen Termin finden, Tiere einsammeln, Kastrieren lassen und wieder nach Hause bringen.

Das ist die Kurzform. Aber – da steckt jede Menge Arbeit hinter. Das kann ich wohl sagen. Denn – ich war dabei.

 

Im Vorfeld wurden Flyer verteilt und Menschen angesprochen um sie über die Möglichkeit aufzuklären ihr Tier (Tiere, es sind ja manchmal doch schon mehrere Generationen vorhanden) kostenlos kastrieren zu lassen.

Dann versucht man, Hunde, die auf der Straße leben müssen, kein Heim haben, einzufangen und ebenfalls mit in die Aktion zu nehmen. Was natürlich auch nicht immer so einfach ist. Manche Vierbeiner sind sehr scheu durch die schlechten Erfahrungen mit Zweibeinern und sitzen natürlich nicht parat damit wir sie dann aufsammeln können.

Dann geht es weiter. Ich versuche mal einen solchen Kastrationstag niederzuschreiben.

 

Am Abend vorher saßen Tina1 und ich (heiße auch Tina, daher gibt es bei uns Tina1 und Tina2) über einem Wust von Papieren. Kartenausschnitte, Formulare (die die Tierärzte und wir für die Administration benötigen; jaaaa – auch hier gibt es genug Papierkrieg zu bewältigen), verschiedene Listen mit Adressen, Namen, Tieren, Telefonnummern und so weiter. Um da irgendwie noch durchzusteigen, macht man das alles in bunt. Hilft ungemein im Ablauf und – sah auch schön aus.

Dabei gehen dann schon mal so 2, 3 Stunden drauf.

Tina1 telefonierte auch ständig um einiges zu klären – Gottseidank beherrscht sie die ungarische Sprache.

 

Am nächsten Morgen – und wenn ich „Morgen“ schreibe, dann meine ich das auch so – ging um 4.45 h der Wecker. Also noch vor’m Sonnenaufgang. Der erste Kaffee (Kaffee – mein stiller und hilfreicher Begleiter während meines Aufenthaltes. Und der ungarische Kaffee ist sehr gut) dann auf der Terrasse als es langsam hell wurde, war schon schön. Die Hähne in der Nachbarschaft krähten um den neuen Tag zu begrüßen, die Sonne stieg langsam auf…… Wir hatten echt Glück mit dem Wetter.

 

Dann hupte es irgendwann und unser Fahrer, was der Tamas war (ein Supertyp, wir hatten auch unseren Spaß und gelacht), stand vor dem Haus. Es ging also los.

Am Abend vorher wurden die Boxen vorbereitet um alle Tiere gut und sicher transportieren zu können.

Bewaffnet mit Stiften, Blöcken, unseren Unterlagen und geschriebenen Boxen-Zetteln für die jeweiligen Tiere mit Namen, Adresse, Telefonnummer machten wir uns dann auf den Weg ins erste Nachbardorf.

Ich möchte hier mal eben erwähnen, dass wir es geschafft haben, in ein paar Tagen insgesamt 154!!! Tiere kastrieren zu lassen.

Wir fuhren über Straßen, die hier in Deutschland vielleicht gerade mal als Feldweg durchkommen würden; andere mit Schlaglöchern ….. also das ist viel zu harmlos beschrieben …. Krater taten sich auf. Riesig große Teile wo der Asphalt komplett fehlte und – tief waren die! Da musste Tamas wirklich ganz vorsichtig und mit viel Gefühl den Transporter durch bewegen. Trotzdem hat es doch ganz schön gerüttelt im Auto.

 

Im Dorf angekommen, ging es kreuz und quer durch Gassen, über Sandpisten zu den entsprechenden Adressen. Hausnummern sind ja ne sinnvolle Sache – wenn man denn dann welche hat und möglichst, wie wir es gewohnt sind – in chronologischer Reihenfolge.

 

Dann kamen die Besitzer mit ihren Tieren, wir verbrachten sie in die Boxen, Zettel dran – damit sie auch alle wieder nach Hause kommen und weiter zum nächsten.

 

 

Manch ein Hund lebte frei auf dem Grundstück, schon ein wenig verwildert so dass sie Menschen nicht unbedingt nah an sich ran lassen.

Sie bekamen dort zwar Futter, hatten Möglichkeiten sich dort irgendwo in einem alten Schuppen oder ähnliches zu verstecken, aber in irgend einer Form handzahm – Fehlanzeige. Waren sich selbst überlassen….. So kam es auch, dass Tina1 und ich eines Morgens um halb 7 eine schweißtreibende Einfangaktion starteten. Und das war echt spannend. Quasi Frühsport. Denn – so ein gesunder junger Hund, der hat mal Energie um schnell genug zu sein, Haken zu schlagen, da schauen wir nur blöd, nach Luft japsend und mit offenstehendem Mund hinterher. Na ja, nach einer halben Stunde ca. hatten wir es dann aber irgendwie geschafft, diese Drei Hübschen in die Boxen zu packen. Glücklich aber ausser Atem ging es dann weiter.

Diese Drei übrigens sind nun im Tierheim in Ungarn, es geht ihnen gut, lassen sich auch schon streicheln und kommen dann hoffentlich auch bald nach Deutschland.

Hier noch ein paar Katzen, dort noch ein paar Hunde. Wir wollten ja so viele wie möglich „erwischen“. Dann war der Transporter voll und es ging los zu „unseren Tierärzten“.

Es gab zwei Praxen die uns bei unserer Aktion unterstützten. Viel Arbeit für sie. Den ganzen Tag alle Tiere kastrieren, überwiegend weibliche (macht ja mehr Sinn) und natürlich auch den einen oder anderen Rüden.

Währenddessen erledigten Tina1 & ich noch Hundert andere Dinge, auch den nächsten Kastrationstag schon mal vorbereiten, Futterspenden einsammeln und verladen, die wir dann einigen armen Menschen übergeben konnten.

Was mich hier sehr fasziniert hat war eine junge ungarische Frau, die uns wirklich gut unterstützt hat, eher ärmlich lebte und auch einen Hund besaß. Sie ging los und organisierte Futterspenden. Sie besitzt kein Auto, ging also zu Fuss von einer Straße in die andere, in nächste Dorf und hat dann das so gesammelte Futter an die anderen Menschen die noch weniger als sie selbst hatten (wenn das überhaupt möglich ist), weitergegeben.

 

Am späten Nachmittag dann kam der Anruf der Praxen, die Tiere sind alle kastriert und können wieder abgeholt werden. Zurück also nach Nyíregyháza, alle Tiere wieder einladen und zurück auf die rumpeligen Straßen.

Bei den Besitzern angekommen konnten wir die Tiere dann übergeben und - ich kann jetzt nur für mich sprechen – aber am ersten Abend hatte ich einen Kloß im Hals vor lauter Rührung. Nicht nur weil die Menschen so glücklich waren dass wir ihnen geholfen haben, nein – auch die Tatsache dass der erste Schritt getan ist um vielfaches weiteres Leid zu verhindern. Das war schon ein gutes Gefühl – Gänsehautgefühl.

 

Eigentlich kann man kaum in Worte fassen, was man erlebt und gefühlt hat. Es ist schwierig das in irgendeiner Form wiederzugeben. Am besten ist es wenn man das live erfahren kann.

Für uns beiden Tinas war es eine aufregende Zeit. Gefühlt waren wir 6 Wochen dort, weil wir von früh morgens bis spät abends „getierschützt“ haben. Am liebsten wären wir noch 2, 3 Monate vor Ort geblieben um diese wirklich absolut sinnvolle Aktion weiterzuführen.

 

Ich kann nur Jedem empfehlen das mal mitzuerleben. Es lohnt sich.

Und ich werde so lange ich kann, weiter Tierschutz leben, Hand & Pfote unterstützen, mit ganzem Herzen und all’ meiner Energie. Denn - es kann nicht schaden, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

 

Martina Derks